Imster Schemenlaufen

Die Fasnacht in Imst, auch als Imster Schemenlaufen bekannt, ist ein farbenfrohes und traditionsreiches Fest, das jährlich in der Faschingszeit die Tiroler Stadt in einen lebendigen Karneval verwandelt. Dieses einzigartige Spektakel ist tief in der regionalen Kultur und Geschichte verankert und zieht Besucher aus nah und fern an. Am 4. Februar 2024 war es wieder so weit und das Schemenlaufen fand in Imst statt.

Die Vorbereitungen für die Fasnacht beginnen lange im Voraus, und die Bewohner von Imst setzen alles daran, dieses festliche Ereignis zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Ein zentrales Element der Fasnacht sind die "Schemen", mysteriöse Figuren in kunstvollen Kostümen und Holzmasken. Die Teilnehmer, oft Mitglieder örtlicher Vereine und Gruppen, arbeiten monatelang an ihren Verkleidungen, um eine eindrucksvolle und authentische Darstellung zu präsentieren.

Am Faschingsdienstag versammelt sich die Gemeinschaft auf den Straßen von Imst, um den farbenprächtigen Umzug der Schemen zu erleben. Die Straßen sind mit neugierigen Zuschauern gesäumt, die gespannt darauf warten, die geheimnisvollen Figuren zu sehen. Traditionelle Musik begleitet den Umzug und verleiht der Atmosphäre eine festliche Note.

Ein besonderes Highlight ist der Moment, in dem die Schemen auf dem Stadtplatz ankommen. Hier enthüllen sie ihre Masken und zeigen ihre kunstvollen Kostüme. Diese Masken und Verkleidungen sind oft Meisterwerke der Handwerkskunst und erzählen Geschichten von regionaler Folklore und Mythologie.

Die Fasnacht in Imst ist mehr als nur ein Karnevalsumzug; sie ist ein lebendiges Zeugnis der lokalen Identität und Tradition. Die Veranstaltung schafft eine einzigartige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und gibt den Menschen die Möglichkeit, ihre kulturelle Erbe zu feiern und zu bewahren. Die Fasnacht in Imst ist somit nicht nur ein farbenfrohes Spektakel, sondern auch ein bedeutender Ausdruck des regionalen Stolzes und der gemeinschaftlichen Verbundenheit.

Die zentralen Figuren des Schemenlaufens sind die Roller und Scheller, die jeweils ein faszinierendes Paar bilden. Der Roller präsentiert eine jugendlich-weibliche Maske ohne Falten, die mit kunstvollen Blumen verziert ist, und einen Kopfschmuck, den "Schein", in dessen Mitte sich ein Spiegel befindet – möglicherweise zur Dämonenabwehr. Als charakteristisches Merkmal trägt der Roller das „Gröll“ um die Hüften, einen mit 40 bis 48 Rollen besetzten Ledergurt, ähnlich denen an Pferdeschlitten. Sein Gegenpart, der Scheller, trägt eine streng dreinblickende Maske mit tiefen Falten und einen imposanten barocken Schnauzbart. Sein Kopfschmuck ist größer und verfügt ebenfalls über einen Spiegel und einen Eibenkranz. Um seine Hüften trägt er das „Gschall“, einen bis zu 38 kg schweren Gurt mit vier bis acht handgeschmiedeten Kuhschellen.

Die Tanzbewegungen der beiden wirken eigenartig und dennoch graziös. Der Scheller versucht, alle Klaffl (Schwengel der Schellen) in eleganter Weise bis zum Anschlag nach oben zu bringen, um nicht als "Busserant" zu gelten, der angeblich nie "derlernt" hat. Kennern ist bekannt, dass die rechteckigen Klöpfen anders geschellt werden müssen als die ovalen Kumpfen. Die Eleganz und Sprunghöhe des Rollers sind für ihn relevant; er muss den richtigen „Schlånz“ haben, wie es in Imst heißt. Ein guter Roller kann angeblich noch am Abend nach dem Schemenlaufen vorwärts und rückwärts frei auf einen Wirtshaustisch springen.

Die Deutungen des Tanzspiels, des sogenannten „Gangl“, sind vielfältig. Einige sehen darin eine symbolische Darstellung der Jahreszeiten und ihres Ringens, wobei der mürrische Scheller den zu Ende gehenden Winter repräsentiert, während der fröhliche Roller den beginnenden Frühling verkörpert. Andere betrachten es als bildhafte Darstellung des Generationenkonflikts zwischen Alt (Scheller) und Jung (Roller). Eine dritte Gruppe vermutet im Verhalten der beiden das ewige Wechselspiel von Mann und Frau und deutet sogar einen möglichen Geschlechtsakt hinter den Bewegungen des Paares an.

Das Schemenlaufen wird alle etwa vier Jahre am Sonntag vor dem Unsinnigen Donnerstag (dem letzten Donnerstag vor der Fastnacht) veranstaltet und erstreckt sich von den frühen Morgenstunden bis exakt 18 Uhr. Gemäß einer langjährigen Tradition sind ausschließlich Männer berechtigt, an diesem Spektakel teilzunehmen, wobei sie die Vielzahl von männlichen und weiblichen Charakteren verkörpern. Die Gewänder für die Teilnehmer werden jedoch von den Frauen und Freundinnen übernommen, die damit eine entscheidende Rolle in der Vorbereitung des Festes spielen.

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