Im Reich der Gletscher und Nebel: Mein Abenteuer in der Weißsee Gletscherwelt und auf den Medelzkopf,
Als Berufsfotograf bin ich oft in den österreichischen Alpen unterwegs, um die majestätische Natur mit der Kamera einzufangen. Im Rahmen meines Medienstipendiums im Nationalpark Hohe Tauern verschlug es mich vor Kurzem in ein absolutes Hochgebirgsparadies, das mich wettertechnisch voll und ganz fordern sollte: die Weißsee Gletscherwelt in Uttendorf im Salzburger Land, verbunden mit einer ambitionierten Bergtour auf den Medelzkopf auf rund 2.897 Metern Höhe.
Ein kleiner fotografischer Einblick vorab: Die eingefügten Aufnahmen zeigen meine Eindrücke von diesem Tag – von kristallklaren Stauseen über die historische Rudolfshütte bis hin zu den steilen Blockfeldern im dichten Nebel.
Anreise: Wie kommt man in die Weißsee Gletscherwelt?
Die Anreise führt ins Pinzgau nach Uttendorf im Salzburger Land. Von dort aus folgt man der mautfreien Panoramastraße durch das wildromantische Stubachtal bis zur Talstation der Weißsee Bergbahnen (Enzingerboden) auf rund 1.480 Metern Höhe.
Hier startet das eigentliche Erlebnis: Die Seilbahn bringt Bergsportler und Naturbegeisterte in zwei Sektionen – vorbei an idyllischen Almen und Bergseen – direkt hinauf ins hochalpine Gelände zur legendären Rudolfshütte auf 2.315 Meter. Schon während der Fahrt merkt man, wie sich die Vegetation verändert und man in eine schroffe, von Gletschern und Stauseen geprägte Hochgebirgswelt eintaucht.
Die Rudolfshütte: Alpines Zentrum und historischer Zufluchtsort
Direkt an den Ufern des Weißsees thront die Berghotel Rudolfshütte, ein imposanter Stützpunkt mitten in den Hohe Tauern. Die Hütte ist nicht nur ein komfortables Hotel und Ausgangspunkt für unzählige Touren, sondern bietet auch spannende Einblicke:
- Ausstellungen & Geschichte: Die Rudolfshütte blickt auf eine lange Tradition als Alpin-Stützpunkt zurück und beherbergt informative Ausstellungen rund um die Themen Gletscher, Hochgebirgs-Klima und die Geschichte des Alpinismus in den Hohen Tauern.
- Wasserkraft & Stauseen: Die umliegenden Speicherseen (wie der Weißsee und der Grünsee) sind Teil des großen Kraftwerksprojekts der Salzburg AG und zeugen von der Nutzung der alpinen Energie.
- Der perfekte Startpunkt: Wer es gemütlicher mag, genießt hier auf der Sonnenterrasse das Panorama oder unternimmt Spaziergänge rund um die Seen. Für mich ging es von hier aus jedoch weiter nach oben.
Aufstieg zum Medelzkopf: Fels, Blockwerk und pure Herausforderung
Vom Berghotel Rudolfshütte aus nahm ich den Anstieg zum Medelzkopf (2.897 m) in Angriff. Schon auf den ersten Blick zeigt sich: Das ist kein sonntäglicher Spaziergang.
Der Weg führt zunächst über gut angepfadete Pfade, wird aber rasch steiler und anspruchsvoller. Wer den Gipfel erklimmen will, muss sich auf eine kernige Blockkletterei einstellen. Der gesamte obere Bereich ist von riesigen Granit-Blocksteinen geprägt. Es gibt keinen durchgehenden, glatten Fußweg mehr; stattdessen heißt es: Trittsicherheit beweisen, konzentriert von Stein zu Stein steigen und genau schauen, wo man hintritt. Die großen Blocksteine verlangen dem Körper einiges ab und machen den Aufstieg zu einer echten alpinistischen Herausforderung, vor allem mit einem sehr schweren Fotorucksack.
Wenn der Berg den Vorhang senkt: Fotografie bei Null Sicht
Das Wetter im Hochgebirge kann sich innerhalb von Minuten ändern – das durfte ich an diesem Tag am eigenen Leib erfahren. Immer wieder zogen dichte Nebelschwaden vom Tal herauf und hüllten den gesamten Berg in ein mystisches, aber fotografisch extrem herausforderndes Grau.
Zeitweise betrug die Sicht gleich null. Wo normalerweise gigantische Ausblicke auf die umliegenden Dreitausender und Gletscher lauern, sah man plötzlicherweise nur noch die nassen, moosbewachsenen oder flechtenüberzogenen Granitblöcke direkt vor den eigenen Wanderschuhen. Als Fotograf bedeutet das: Umdenken. Statt weitschweifender Landschaftspanoramas standen plötzlich Details, Strukturen der Steine, die mystische Stimmung des Nebels und das Gefühl der Isolation im alpinen Raum im Vordergrund.
Dennoch – als sich der Nebel zwischendurch kurz lichtete und den Blick auf die türkisblauen Stauseen und die steilen Felswände freigab, war der Anblick umso belohnender.
Der Rückweg: Über die Medelzlacke und den Kalser Tauern zurück zur Hütte
Nach dem anspruchsvollen Aufstieg und den beeindruckenden Momenten am Gipfel führte mich der Rückweg auf einer wunderschönen Runde weiter. Vom Medelzkopf aus ging es zunächst wieder bergab, vorbei an der idyllisch gelegenen Medelzlacke – einem echten Juwel, dessen klares, grünlich schimmerndes Wasser wunderbar in der alpinen Landschaft eingebettet liegt.
Von dort aus wanderte ich weiter in Richtung Kalser Tauern. Dieser historische Übergang, der seit Jahrhunderten die Verbindung zwischen dem Salzburger Stubachtal und Osttirol darstellt, empfing mich mit dem markanten Marterl (dem Wegkreuz). Gerade im wechselnden Nebel lichteten sich hier immer wieder fantastische Blicke auf die umgebende Bergwelt und die umliegenden Speicherseen, bevor es von dort aus gemütlich wieder zurück zum Ausgangspunkt an der Rudolfshütte ging.
Der Weißsee: Vom natürlichen Bergsee zum alpinen Kraftwerk
Direkt an der Rudolfshütte liegt der namensgebende Weißsee auf rund 2.250 bis 2.300 Metern Höhe. Was heute ein imposanter, türkis schimmernder Speichersee ist, war ursprünglich ein ganz natürlicher Bergsee.
In den Jahren 1950 bis 1952 wurde der See im Zuge des Ausbaus der Kraftwerksgruppe Stubachtal durch den Bau einer 39 Meter hohen Staumauer drastisch verändert und zu einem Jahresspeicher umfunktioniert. Betrieben wird das Ganze von der ÖBB-Infrastruktur, um saubere Energie für den Bahnverkehr zu gewinnen. Gespeist wird der alpine Stausee vor allem durch das Schmelzwasser der umliegenden Gletscher, insbesondere des Sonnblickkeeses.
Diese massive Umgestaltung hatte damals übrigens dramatische Folgen für die ursprüngliche Rudolfshütte: Die historische Schutzhütte musste weichen und wurde vor der Flutung gesprengt – ihre Trümmer versanken im aufgestauten See, ehe später an neuer Stelle das heutige Berghotel entstand.
Die Weißsee Gletscherwelt und die Tour auf den Medelzkopf sind ein absolutes Muss für alle, die das pure, unverfälschte Hochgebirge suchen. Die Kombination aus technischer Geschichte rund um den Weißsee, der komfortablen Anreise per Seilbahn, der geschichtsträchtigen Rudolfshütte und dem anspruchsvollen, felsigen Aufstieg macht diesen Ort einzigartig.
Wer sich auf die großen Blocksteine und das oft rasch wechselnde Bergwetter einstellt, wird mit unvergesslichen Eindrücken (und als Fotograf mit verdammt spannenden Motiven) belohnt.
Schaut euch auch gerne dazu mein Video an, das hier folgt.
Ein herzlicher Dank geht an den Nationalpark Hohe Tauern für die Ermöglichung dieses Medienstipendiums und an die Weißsee Gletscherwelt und an den Tourismusverband Uttendorf!





















