Wer das Sellraintal kennt, weiß um seine stille Kraft, seine naturbelassene Schönheit und seine Ursprünglichkeit. Doch zwischen all den bekannten Wanderzielen und Gipfeltouren verbirgt sich ein besonderer Weg: der Besinnungsweg, der von Gries im Sellrain bis nach Oberperfuss führt – ein stiller Pfad auf uralten Wegen, der zur inneren Ruhe einlädt.
Ein Weg durch Raum und Zeit
Dieser Weg ist keine gewöhnliche Wanderung, sondern vielmehr eine Reise durch Zeit und Landschaft. Er folgt alten Verbindungswegen, die seit Jahrhunderten von Bauern, Handwerkern und Pilgern begangen wurden – weit abseits vom Straßenlärm. Heute laden sie dazu ein, langsam zu werden, die Umgebung bewusst wahrzunehmen und der Geschichte dieses abgelegenen Tiroler Tals nachzuspüren.
Start in Gries im Sellrain
Ausgangspunkt ist der ruhige Ort Gries im Sellrain, eingebettet in die alpine Kulisse des Sellraintals. Schon beim Verlassen des Dorfes spürt man die besondere Atmosphäre dieses Weges – hier beginnt eine sanfte Wanderung, die einen nicht nur körperlich, sondern auch innerlich bewegt.
Man wandert auf teils schmalen, naturbelassenen Pfaden und Wirtschaftswegen, begleitet vom Rauschen des Sellrains und dem Duft von Fichten und Lärchen. Uralte Bauernhäuser, manche davon über Jahrhunderte hinweg bewohnt, säumen den Weg und erzählen ohne Worte von einem einfachen, harten, aber kraftvollen Leben in dieser Region.
St. Quirin – spiritueller Mittelpunkt des Weges
Etwa auf halber Strecke erreicht man das kleine Kirchlein St. Quirin, das wie aus der Zeit gefallen auf einer Lichtung über dem Tal thront. Diese Kirche ist ein verstecktes Juwel: schlicht, romanisch geprägt und mit einem besonderen Charme. Der Ort gilt seit jeher als spiritueller Kraftplatz. Bereits im Mittelalter wurde hier ein Gotteshaus errichtet – wohl auch wegen der heilkräftigen Quelle in der Nähe, die dem Ort seinen Namen gab.
Im Inneren der Kirche herrscht eine besondere Stille. Die schlichten Holzfiguren und das Licht, das durch die kleinen Fenster fällt, schaffen eine Atmosphäre, die zum Innehalten einlädt. Wer sich Zeit nimmt, spürt, warum dieser Ort seit Jahrhunderten aufgesucht wird.
Ziel in Oberperfuss
Der Weg führt weiter durch lichte Wälder, vorbei an kleinen Weilern und Wiesen, bis man schließlich Oberperfuss erreicht – am Rand des Inntals und gleichzeitig am Ende dieses besonderen Pfads. Von hier aus bietet sich ein weiter Blick zurück ins Sellraintal – und vielleicht auch ein kurzer Blick nach innen.
Fazit
Der Besinnungsweg im Sellraintal ist keine Wanderung im klassischen Sinn. Es ist ein stiller, ehrlicher Weg – ein Pfad, der durch eine Landschaft führt, die nichts beweisen muss. Wer sich auf diesen alten Wegen bewegt, spürt: Hier geht es nicht um das Ankommen, sondern ums Gehen selbst.



















