Wenn man an Innsbruck denkt, kommen einem sofort Skifahren, Wandern, Biken oder die Berge in den Sinn. Und natürlich das Besondere an der Stadt: dieser Mix aus urbanem Leben, moderner Architektur und traditionsreicher Geschichte.
Aber was gibt es eigentlich abseits davon zu entdecken?
Diese Frage habe ich mir gestellt, als mir eine Freundin von einer Burg am Mieminger Plateau erzählte. Eine Burg? Dort? Und ich hatte noch nie davon gehört – obwohl ich als Fotograf ständig in der Gegend unterwegs bin.
Neugierig geworden, habe ich mich auf die Suche nach weniger bekannten Burgen, Ruinen und Schlössern in der Umgebung gemacht.
In diesem Beitrag stelle ich euch einige davon vor – vielleicht kennt ihr die Namen, wart aber selbst noch nie dort. Genau das macht den Reiz aus: Geschichte, versteckte Orte und spannende Fotospots.
Burg Klamm – das versteckte Juwel am Mieminger Plateau
Unsere erste Station führte uns nach Mötz. Von dort aus kann man eine wunderschöne Rundwanderung starten: vorbei an einem Wasserfall, durch die Klamm hinauf zur Burg. Schon allein wegen der Aussicht aufs Plateau und ins Inntal lohnt sich der Weg.
Die Burg Klamm liegt versteckt im Wald, hoch über der Klamm – man muss schon wissen, wo man hinschauen muss. Erbaut wurde sie um 1250 von den Augsburger Bischöfen. Seit 1957 ist sie in Privatbesitz und wurde aufwendig saniert. Besichtigen kann man sie nicht, aber der Anblick von außen ist spektakulär. Ein kurzer Ausflug, der sich definitiv lohnt – Kamera nicht vergessen!
Burg Fragenstein – der Wächter über Zirl
Wer schon einmal in Zirl war, kennt die imposante Ruine oberhalb des Ortes: Burg Fragenstein. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde zur Sicherung der Salzroute über den Seefelder Sattel errichtet.
1703 sprengten die Bayern die Burg im Krieg – übrig blieb eine Ruine, die später vom Österreichischen Burgenverein saniert wurde. Heute gehört sie teils der Familie Kuen, teils der Gemeinde Zirl.
Mein Tipp: Ein Spaziergang über den Höhenweg von Zirl zur Burg ist perfekt für einen Sonntag. Besonders schön sind die Kaiser-Max-Grotte und die Ehnbachklamm in Kombination mit der Ruine.
Ansitz Ferklehen – das „Unterperfer Schlössl“
Ein eher unscheinbares, aber spannendes Kleinod findet man bei Ranggen: den Ansitz Ferklehen. Ursprünglich war hier ein Fährhaus – die „Fergen“ betrieben die Innfähre nach Zirl. Mit dem Bau der Zirler Brücke 1482 wurde daraus ein lukrativer Mautposten, später sogar ein Jagdschloss der Landesfürsten.
Heute ist es in Privatbesitz, aber von außen ein hübsches Motiv – die Einheimischen nennen es liebevoll das „Unterperfer Schlössl“.
Burgruine Hörtenberg – über Pfaffenhofen
Oberhalb von Pfaffenhofen thront die Burgruine Hörtenberg, auch „Pfaffenhofener Schlössl“ genannt. Sie wurde 1239 erstmals erwähnt, war lange im Besitz der Grafen von Eschenlohe und geriet irgendwann in Vergessenheit.
2007 kaufte die Gemeinde die stark verfallene Ruine und begann mit der Sanierung. Heute kann man das Gelände im Sommer besuchen, es wird sogar für Veranstaltungen genutzt.
Ich war bei Vollmond dort – ein magischer Anblick!
Thaurer Schlössl – eine Bühne der Geschichte
Die Burg in Thaur stammt aus dem 11. Jahrhundert und war einst eine der prächtigsten Burgen des Inntals. Ein Erdbeben 1670 zerstörte große Teile, übrig blieb vor allem der imposante Torbogen.
Heute ist die Ruine begehbar (auf eigene Gefahr) und wird im Sommer oft als Kulisse für Theateraufführungen genutzt. Der Weg hinauf ist leicht erreichbar, und von oben hat man einen großartigen Ausblick.
Ris-Schlössl Flaurling – das Schloss des Pfarrers
Von der Autobahn sieht man es gut, aber nur wenige kennen es wirklich: das Ris-Schlössl in Flaurling. Ursprünglich war es ein Jagdschloss von Herzog Sigmund. Um 1500 übergab er es dem Pfarrer Sigmund Ris, der dem Schloss seinen Namen gab.
Er erweiterte die Anlage mit einer Kapelle und einer Bibliothek, die bis heute besteht. Später kam noch ein Garten dazu. Das Schloss ist in Privatbesitz und nur von außen zu besichtigen, aber gerade im Abendlicht ergibt es ein stimmungsvolles Motiv.
Burg Martinsbühel – Geschichte am Fuße der Martinswand
Direkt neben Zirl, auf einem Hügel oberhalb des Inns, liegt Burg Martinsbühel. Der Platz hat eine lange Geschichte: Schon vor den Römern war er besiedelt, später errichteten die Römer hier das Kastell Teriolis.
Im Mittelalter entstand auf den Resten die Burg. Kaiser Maximilian I. nutzte sie als Jagdschloss – die nahe Martinswand war sein Revier. Später hatte der Bau viele verschiedene Nutzungen: vom Gefangenenlager im Zweiten Weltkrieg bis zum Mädchenheim.
Heute steht der Komplex leer, gehört aber immer noch dem Kloster St. Peter in Salzburg. Von außen ist Martinsbühel nach wie vor ein beeindruckendes Fotomotiv – besonders mit der Martinswand im Hintergrund.
Schloss Inzing – mitten im Dorf
Direkt neben der Kirche von Inzing steht das Schloss mit seinem markanten Turm. Die genauen Baujahre sind nicht überliefert, doch die Ritter von Eben waren die Erbauer.
Im 20. Jahrhundert wurde es im Stil des Historismus umgebaut. Noch heute findet man die Wappen der Ritter von Eben auf der Fassade – ein Stück gelebte Dorfgeschichte.
Burgruine Vellenberg – verborgen bei Götzens
Wenig bekannt, aber leicht zu entdecken, wenn man die Götzner Landesstraße fährt: die Burgruine Vellenberg. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde von den Grafen von Andechs erbaut.
Kaiser Maximilian ließ sie im 16. Jahrhundert sanieren, doch die Substanz war schon damals schlecht. 1657 wurde sie endgültig aufgegeben. Die Rüstkammer kam ins Innsbrucker Zeughaus, die Mauern blieben zurück.
Heute ist Vellenberg ein denkmalgeschütztes Objekt – und mit Blick zur Martinswand ein herrliches Fotomotiv.
Schloss Mühlau – barocke Eleganz im Stadtteil
Mitten im Innsbrucker Stadtteil Mühlau steht das gleichnamige Schloss, erbaut 1720. Es besteht eigentlich aus zwei Ansitzen, die zu einer Anlage zusammengefasst wurden.
Der Bauherr, Franz Andreas Sternbach, wollte ursprünglich in Wilten ein Schloss errichten, scheiterte dort aber am Widerstand des Stifts. In Mühlau fand er schließlich seinen Platz und baute ein barockes Anwesen mit Kirche, Kapelle und einer großzügigen Gartenanlage.
Noch heute ist das Schloss im Besitz der Familie Liphart und nicht öffentlich zugänglich. Von außen aber lohnt sich der Blick – und wer genau hinsieht, erkennt auch die vielen alten Mühlen am Bach, die Mühlau ihren Namen gaben.
Burg St. Petersberg – Majestätisches Kleinod über Silz
Unser letzter Stopp führt ins Oberinntal – zur Burg St. Petersberg bei Silz, einem meiner Herbstfavoriten. Die Burg thront auf etwa 770 m Höhe (rund 70 m über dem Talboden) und ist über einen malerischen, aber leichten Rundwanderweg erreichbar. Die Burg St. Petersberg wurde erstmals 1244 erwähnt, mutmaßlich von Herzog Welf II. errichtet und später von Graf Meinhard II. ausgebaut – mit Verlegung des Gerichtssitzes dorthin.
Unterhalb der Burg liegt ein künstlich angelegter See, gespeist von zwei Gebirgsbächen, ideal für stimmungsvolle Spiegelungsfotos. Außerdem gibt es einen Aussichtsturm, der grandiose Blicke Richtung Innsbruck und ins Inntal eröffnet. In der Umgebung finden sich auch Kreuzstationen und ein großes Holzkreuz, die sich perfekt für Fotostopps eignen. Heute beherbergt die Burg ein Ordenshaus des Engelwerks (seit 1965 Eigentümer), seit 1979 unterhalten von den Regularkanonikern vom Heiligen Kreuz. Das Ensemble mit Bergfried, Kapelle, Wehrmauern und Zwinger steht unter Denkmalschutz; Innenbesichtigungen sind nicht möglich, aber das Gelände und die Außenanlagen sind frei zugänglich und laden zu einem besinnlichen Rundgang ein.
Eine kleine herbstliche Rundwanderung habe ich hier beschrieben.
Innsbruck und seine Umgebung sind weit mehr als ein Paradies für Skifahrer, Wanderer oder Biker. Wer genauer hinschaut, entdeckt eine faszinierende Welt aus Burgen, Schlössern und Ruinen – jede mit ihrer eigenen Geschichte und ihrem eigenen Charme.
Da gibt es die versteckten Juwelen wie die Burg Klamm, die hoch über einer Schlucht thront und vielen trotzdem unbekannt ist. Oder die markanten Wahrzeichen wie Burg Fragenstein, die über Zirl wacht und einst den Salzhandel sicherte. Kleine Ansitze und Schlössln wie Ferklehen oder das Inzinger Schloss erzählen von Dorfgeschichte und Alltagsleben, während große Anlagen wie Burg Martinsbühel oder Schloss Mühlau auf eine wechselvolle Vergangenheit mit Herrschern, Kaisern und Klöstern zurückblicken.
Andere Orte haben sich zu Kulturstätten entwickelt – wie die Ruine in Thaur, die heute Theateraufführungen eine stimmungsvolle Bühne bietet. Manche, wie die Burgruine Hörtenberg, wurden erst in jüngerer Zeit wieder zugänglich gemacht und sind so zu neuen Ausflugszielen geworden. Und dann gibt es Plätze wie das Ris-Schlössl in Flaurling, die man im Alltag schnell übersieht, die aber viel Tiroler Baukultur in sich tragen.
Ganz besonders hat mich die Burg St. Petersberg in Silz begeistert: eingebettet in eine malerische Wanderung, voller Geschichte und mit herrlichen Ausblicken – ein Beispiel dafür, wie Geschichte, Natur und Fotografie perfekt zusammenfließen können.
Was all diese Orte gemeinsam haben: Sie laden zum Entdecken ein, erzählen Geschichten aus längst vergangenen Zeiten und bieten jede Menge Inspiration für Fotograf:innen. Ob spektakuläre Ruinen im Abendlicht, versteckte Winkel in herbstlichen Farben oder die mächtigen Silhouetten einer Burg vor den Bergen – die Motive gehen einem hier garantiert nicht aus.
Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, den einen oder anderen dieser Orte selbst zu besuchen. Es lohnt sich, die bekannten Pfade zu verlassen und in die verborgene Welt der Burgen und Schlösser rund um Innsbruck einzutauchen. Jede Tour ist ein kleines Abenteuer – und jede Kamera freut sich über die Motive.

































Das Bild von Burg Klamm ist bezaubernd. Die Form der Burg mit den unterschiedlichen Turmhöhen, die rot weißen Fensterläden und der überdachten Holzbrücke wirkt wie mein Kindertraum einer Burg. Aber auch die anderen Orte wirken reizvoll, die Herbststimmung ist besonders schön.